Grafikdesign in Nordkorea


In der Demokratischen Volksrepublik Korea, uns auch bekannt als Nordkorea bildet die Politik und die Propaganda einen wesentlichen Bestandteil der visuellen Kunst. Letztendlich sind sie ausschlaggebend für das ästhetische Ergebnis. Bis vor zwanzig Jahren galt Grafikdesign in Nordkorea noch als prä- digital, da kein anderes Land, so isoliert vom Rest der Welt war. Sie hatten keinen Zugang zum Internet und ausländische Designmagazine waren ebenfalls nicht erhältlich. Es gab nur eine sehr geringe Anzahl von Designer, welche überhaupt jemals das Land verlassen haben, somit kam es dazu, dass sie nicht von Einflüssen der Kunstbewegungen profitieren konnten. Abstrakte Kunst gab es somit auch nicht, es waren bloß die Chosunhua, welcher der Begriff für die traditionelle Kunst darstellt, sozialistischer Realismus und Propaganda erlaubt. Trotz dieser Beschränkungen versuchten die talentierten Künstler nach neuen Innovationen, um ihre Kunst zum Ausdruck bringen zu können. Dadurch wirkte das Design, vor allem für uns Europäer besonders, denn für unsere Augen sah es einfach und durchaus naiv aus.

Verwandlung durch digitales Design

Die Trends und Arbeitsweisen der Nordkoreaner unterzogen sich jedoch ab dem Jahre 2000 einem Wandel. Die Zeit der handgezeichneten Grafiken ging nun zu Ende und eine neue Ära mit digitalem Design und verbesserten Drucktechniken lebte auf. Durch die wirtschaftlichen Veränderungen in Nordkorea, kamen mit einem Mal viel mehr Waren aus dem Ausland, wodurch sich der Wettbewerb unter den Unternehmen entwickelte. Sie waren neugierig und wollten sich an neuen Methoden des Druckens orientieren, die lokalen Unternehmen wollten sich durch leuchtende Designs und ausdrucksstarke Farbpaletten ausdrücken. Sie wollten neue Techniken praktizieren und neue Farbkombinationen ausprobieren. Vielleicht lässt sich auch so erklären, dass die Designs für uns unter anderem etwas überzogen wirken, sie kannten es nicht und jetzt wo sie die Möglichkeit dazu hatten, ist es etwas ins Extreme umgeschlagen. Heutzutage stehen sie unter großem Einfluss chinesischer Billigprodukte, was sich ganz besonders durch grelle Farben und einem überzogenen Look zeigt. Natürlich gibt es auch einige Europäer, welche diese Art von Kunst bevorzugen und sich durchaus mit diesen grellen Farben identifizieren können, doch ist es durchaus zu bezweifeln, dass sich die Breite Masse mit dieser Art identifizieren kann.

Künstlerischer Ausdruck fehl am Platz

Man kann jedoch definitiv behaupten, dass es Künstler in Nordkorea nicht leicht haben. Durch die ständige politische Kontrolle und Überwachung, durch alle möglichen Einschränkungen, welche vom Regime verhängt werden und durch die strikte Anweisung, das Land stets großartig repräsentieren zu müssen, können die Künstler ihr künstlerisches Talent bei Weitem nicht so zum Ausdruck bringen, wie es ihnen vorschwebt. Würden sie nach Jobs für Ärzte schauen, hätten sie es wahrscheinlich nicht so schwer. Doch wenn es sich um freies Denken und die Meinungsäußerung handelt, ist mit der nordkoreanische Regierung nicht zu scherzen. Sie sind sogar in die Gestaltungsprozesse involviert. Dieser Umstand ist überaus traurig, da wahrscheinlich viele Talente so stets für unsere Augen im verborgenen bleiben werden. So können wir nur hoffen, dass sich etwas grundlegendes in der nordkoreanischen Politik ändert, damit die Talente sich so entfalten können, wie es ihnen beliebt. Wahrscheinlich gäbe es dann auf internationaler Ebene einen großen Ansturm von neuen und überaus motivierten Grafikdesigner.